Die Anbauplanung eines Gemüsegartens

Ein Gemüsegarten muss nicht eintönig aussehen, sondern kann durch eine bunte Mischung der angebauten Kulturen ästhetisch ansprechend, abwechslungsreich und von hohem ökologischen Wert sein. Er dient dadurch zur Erholung und Entspannung und liefert zudem die Gewissheit darüber, wie und mit welchen Einsatzmitteln das Gemüse kultiviert wurde, das einen Beitrag zur gesunden Ernährung leistet. Für die Anlage eines Gemüsegartens wird in der Fachliteratur meist ausführlich beschrieben, welche Lage unbedingt gegeben sein sollte, ohne dabei zu berücksichtigen, dass man das akzeptieren muss, was zur Verfügung steht. In die Planung ist deshalb aufzunehmen, welche Größe und Ausrichtung der Garten tatsächlich hat sowie welche weiteren Nutzungsarten mit zugehörigem Flächenanteil und Standort neben dem Gemüseanbau vorgesehen sind. Darüber hinaus sollte man bei der Anlage immer danach trachten, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, denn man „will auch Blumen sehen, nicht allein Kohl und Salat“. Damit all diese Aspekte unter einen Hut zu bringen sind, müssen einige grundsätzliche Überlegungen angestellt sowie die zeitliche Abfolge der notwendigen Arbeiten richtig koordiniert werden.


Grundsätzliche Überlegungen

  • Bei einer vorgegeben Gartenfläche ist es ratsam, sich zuerst über die Größe des Gemüsegartens klar zu werden. Eine Hilfestellung kann dabei die Ernährungsberatung leisten, die einen Gemüseverzehr von ca. 400 g/Tag empfiehlt. Legt man diese Zahl zugrunde, sind pro Person ungefähr 35 m² bei einfacher Flächenbelegung und etwa 25 m² bei z. T. mehrsätzigem Anbau rechnerisch notwendig, um den gesamten Gemüsebedarf zu decken. Je höher der Zukauf von Gemüse ist, umso kleiner kann natürlich die Anbaufläche ausfallen.

  • Als Nächstes kommt die Aufteilung der Gemüsefläche in „normale Beete“, Frühbeet, Kleingewächshaus, eventuell eine gemüsebauliche Einbeziehung von Balkon und Terrasse, und – was auf keinen Fall fehlen darf – die Berücksichtigung eines Platzes für die eigene Kompostierung.

  • Die einzelnen Gartenteile sind durch eine übersichtliche Wegeführung miteinander zu verbinden. Außerdem ist auf einen kurzen Weg zur Küche und einen gut erreichbaren Kompostplatz zu achten. Die Wege sollte man nicht überdimensionieren, sowohl was Breite als auch Belag betrifft. Hauptsache ist, die Beete trockenen Fußes erreichen und Hauptwege mit der Schubkarre befahren zu können (etwa 80 cm Breite). Zwischen den Beeten reicht ein Pfad von ca. 30 cm Breite mit einzelnen Trittsteinen, einem einfachen Holzlattenrost oder Rindenmulch als Belag.

  • Beete und Anbauflächen sollten in Abhängigkeit der Geländebeschaffenheit so angelegt werden, dass es zu einer optimalen Ausnutzung des Sonnenlichts kommt.

  • Eine Abgrenzung der Beete ist nicht zwingend erforderlich, kann aber z. B. ästhetisch sehr ansprechend in Form einer Beeteinfassung durch Heil- und Gewürzkräuter erfolgen.

Auswahl der Gemüsearten

Die Auswahl der anzubauenden Gemüsearten kann nach verschiedenen Gesichtspunkten erfolgen. Grundsätzlich lässt sich Gemüse einteilen nach

  • Art des Erntegutes: Wurzel-, Knollen-, Zwiebel-, Stängel-, Blatt-, Blüten- und Fruchtgemüse

  • Art der Anzucht: Saat- und Pflanzgemüse

  • Höhe des Nährstoffbedarfs: Stark-, Mittel- und Schwachzehrer

  • Grad der botanischen Verwandtschaft: Zugehörigkeit zu verschiedenen Pflanzenfamilien. Die wichtigsten Familien mit abnehmender Anzahl an Gemüsearten sind Kreuz-, Dolden-, Korbblütler, Lilien-, Kürbis-, Gänsefuß-, Nachtschatten- und Baldriangewächse sowie Süßgräser.

Die botanische Verwandtschaft ist ausschlaggebend für die Fruchtfolgeplanung, da Gemüsearten aus einer Pflanzenfamilie aus Pflanzenschutzgründen möglichst nur im Abstand von 4-7 Jahren auf derselben Fläche angebaut werden sollen. Die für die Zusammenstellung der gewünschten Gemüsekulturen wichtigsten Kriterien sind der Reihe nach: Verwandtschaftsgrad, Nährstoffbedarf und persönliche Vorlieben (z. B. besonders schmackhaftes, absolut frisches, seltenes Gemüse oder Lagergemüse, das v. a. in den teuren Wintermonaten den Geldbeutel schont).

Terminplanung und Flächenbelegung

Ist die Entscheidung für bestimmte Gemüsearten gefallen, ist sinnvoller Weise eine frühzeitige – d. h. im Herbst und Winter des Vorjahres – Termin- und Flächenbelegungsplanung durchzuführen. Darin müssen einfließen Anzucht-, Pikier-, Aussaat- und Pflanztermine in Abhängigkeit von der Anbauweise (Gewächshaus, Frühbeet, Vlies, Freiland) und die jeweils zur Verfügung stehenden Flächen.

Grundbodenbearbeitung

Unabhängig davon, welche Gemüsekulturen ausgewählt werden, hat die Grundbodenbearbeitung möglichst spät im Jahr zu erfolgen. Spät deswegen, um durch die tiefe Bearbeitung zwar Frostgare zu erzielen, aber andererseits hohe Nährstoffverluste zu vermeiden und Schädlinge, z. B. Eier von Schnecken, durch die Einwirkung der ersten Fröste an der Bodenoberfläche zu dezimieren. Grundsätzlich gilt, nur schwere Böden umzugraben, mittlere und leichte Böden hingegen ausschließlich mit der Grabegabel zu lockern und nicht zu wenden.

Jungpflanzen – Eigene Anzucht, Zukauf

Will man Jungpflanzen durch eigene Anzucht gewinnen, muss man rechtzeitig hochwertiges Saatgut besorgen. Bei der Sortenauswahl sollte man mehr Wert auf Robustheit, Toleranz oder Resistenz als auf hohe Erträge legen. Darüber hinaus sind für die eigene Anzucht notwendig ein heller Standort (z. B. Fensterbrett, Wintergarten), Substrate sowie Gefäße für Aussaat und Pikieren und eventuell kleine Blumentöpfe. Als Aussaatgefäße kann man entweder nicht mehr benötigte Aussaatschalen oder Multitopfplatten von Gärtnereien verwenden oder alte Eierkartons. Die Kartons werden mit nährstoffarmem, keimfreiem Substrat befüllt und in jede einzelne Eierkammer werden 2-3 Samenkörner abgelegt. Da das Saatgut oft sehr klein sein kann, empfiehlt es sich, ein an der Spitze befeuchtetes Schaschlikstäbchen in die Samentüte zu stecken und die daran haften bleibenden Samen an der Aussaatstelle abzustreifen. Je nach Art der Aussaat und der Gemüsekultur müssen die Jungpflänzchen in einem bestimmten Entwicklungszustand noch pikiert und getopft und auf jeden Fall vor der Pflanzung abgehärtet werden. Beim Zukauf von Jungpflanzen ist darauf zu achten, ebenfalls geeignete Sorten und gesunde, arttypisch geformte und gefärbte, gut bewurzelte Presstopf-Pflanzen oder getopfte Ware auszuwählen.

Düngung, Saat- und Pflanzbettbearbeitung

Einer Düngung geht im Idealfall eine Bodenuntersuchung voraus, zumindest sollten die Bodenwerte im Abstand von 3-5 Jahren ermittelt werden. Die Grunddüngung kann mit reifem Kompost und Hornspänen sowie evtl. einem Kalium-Dünger erfolgen, i. d. R. jedoch mit keinem Phosphat-haltigen Dünger. Die Düngemaßnahmen erfolgen erst kurz vor Vegetationsbeginn, damit die Nährstoffe auch tatsächlich den Pflanzen zur Verfügung stehen und nicht vorher ausgewaschen werden. Hat man Gründüngungskulturen angebaut, so werden diese ebenso erst 1-2 Wochen vor der eigentlichen Gemüsekultur gemäht, flach eingearbeitet oder kompostiert. Dementsprechend zeitnah zum Kulturbeginn erfolgt die Saat- oder Pflanzbettbereitung durch „feine“ Bearbeitung der obersten Bodenschicht. Hierbei kommen Geräte wie Krümler, Sternfräse, Kultivator oder Sauzahn zum Einsatz, die der Feinkrümelung und Rückverdichtung gleichermaßen dienen wie der flachen Einarbeitung von Gründüngung, Dünger und Kompost.

Aussaat und Pflanzung im Freiland

Die Aussaat oder Pflanzung direkt ins Beet unter Folie, Vlies oder Netz kann zu einer Verfrühung um bis zu 2 Wochen führen. Sehr feines Saatgut lässt sich für eine bessere Ausbringung mit Sand vermischen, andernfalls muss nachträglich vereinzelt werden. Oder man greift zur Einhaltung genauer Pflanzenabstände von Anfang an auf pilliertes Saatgut, noch besser auf ein Saatband zurück. Bei der Pflanzung ist ebenso auf die der Kultur entsprechenden Pflanzweite und auch Tiefe zu achten. Wichtig in jedem Fall: Angebaute Arten und Sorten auf dem Beet kenn- und für die Fruchtfolgeplanung der kommenden Jahre aufzeichnen.

Pflegemaßnahmen, Ernte und Lagerung

Je nach Entwicklungsstadium der Pflanzen, gewählter Anbauform und Witterung muss man sich im Terminkalender Zeit reservieren für eine Reihe von Pflegemaßnahmen, z. B. Gießen, Hacken, Mulchen, Anleiten, Binden, Entgeizen, Kopfdüngung und Pflanzenschutz. Hier gilt wiederum: Je robuster und widerstandsfähiger die angebauten Arten und Sorten, umso weniger Zeit und Aufwand ist für Pflegemaßnahmen notwendig. Selbst wenn es sich bei der Ernte für viele um die schönste Tätigkeit im Garten handelt, so muss man dennoch auch hierfür die etwas Zeit einplanen. Bei manchen Kulturen erfolgt sie kontinuierlich über einen längeren Zeitraum, bei anderen zu einem bestimmten, optimalen Zeitpunkt. Eine Lagerung des Erntegutes ist nur sinnvoll, wenn angemessene Möglichkeiten vorhanden sind (z. B. ein kühler Keller).

 

Beispiel einer Anbauplanung: Mischkultur und 4-jähruge Fruchtfolge

 

1. Jahr

2. Jahr

3. Jahr

4. Jahr

Februar – April

Gründüngung (A)
oder/und
Erdbeeren (P)

Möhren (A),
Zwiebeln (P),
Eissalat (A)

Radies (A), Zucchini (A)

Borretsch (A), Bohnenkraut (A),
Spinat (A)

Mai – Juli

Tomaten (P)

Zuckermais (A)

Stangenbohnen (A)

August – September

Knollenfenchel (P), Kopfsalat (P) oder Endivien (P)

Feldsalat (A)

Gründüngung (A)
oder/und
Erdbeeren (P)

© Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e. V. (Feb. 2003)